Die unbekannten Wechseljahre-Symptome: Frieren, Sodbrennen, Völlegefühl und mehr

Aquarell: eine zarte Streuung kleiner verschiedener Wildblumen und Gräser auf Creme

Du frierst plötzlich, obwohl niemand sonst im Raum die Heizung höher dreht. Nach dem Essen brennt es hinter dem Brustbein, dein Bauch fühlt sich aufgebläht an und manchmal bekommst du das Gefühl, nicht ganz tief durchatmen zu können. Du hast an vieles gedacht, an den Magen, an die Ernährung, an Stress. An die Wechseljahre hast du nicht gedacht, weil dir niemand gesagt hat, dass auch das dazugehören kann.

Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit immer wieder: «Ich wusste gar nicht, dass das mit den Wechseljahren zu tun haben könnte.» Im öffentlichen Bild kommen fast nur Hitzewallungen und ausbleibende Blutungen vor. Alles, was nicht in dieses Bild passt, ordnest du woanders ein und suchst die Ursache in deinem Magen, in deinem Herz, in deinem Kopf. Genau deshalb möchte ich heute über die leisen, weniger bekannten Zeichen dieser Zeit sprechen. Sie sind häufiger, als du denkst und sie hängen alle an demselben Faden.

Warum viele diese Zeichen gar nicht zuordnen

Die Wechseljahre sind in unserer Kultur auf zwei, drei Bilder geschrumpft. Es gibt die Hitzewallung, es gibt die Stimmungsschwankung und es gibt das Ende der Blutung. Dabei wirkt Östrogen an unzähligen Stellen im Körper, weit über die Fortpflanzung hinaus. Es beeinflusst die Schleimhäute, die Gefässe, die Verdauung, das Temperaturzentrum im Gehirn und das vegetative Nervensystem, das all diese Vorgänge im Hintergrund steuert.

Wenn dieser feine Steuerungsapparat in Bewegung gerät, zeigt sich das an vielen kleinen Fronten gleichzeitig. Weil aber niemand dir gesagt hat, dass Frieren, Sodbrennen oder ein trockener Mund dazugehören können, deutest du jedes Zeichen einzeln, statt das Muster dahinter zu sehen. Das erzeugt eine leise Verunsicherung, die sich Symptom für Symptom aufbaut. Zu verstehen, dass all diese Beschwerden einen gemeinsamen Ursprung haben können, nimmt schon einen grossen Teil der Angst. Du bist nicht an vielen Stellen gleichzeitig krank. Dein Körper stellt sich um.

Zur Einordnung: Nicht jedes dieser Zeichen kommt von den Wechseljahren und dieser Text ersetzt keine ärztliche Abklärung. Zu wissen, dass die hormonelle Umstellung dahinterstehen kann, hilft dir trotzdem, ruhiger hinzuschauen und die richtigen Fragen zu stellen.

Frieren und ein verändertes Kälteempfinden

Die Wechseljahre gelten als die Zeit der Hitze und genau das macht das Frieren so verwirrend. Das Temperaturzentrum sitzt im Hypothalamus, einer kleinen Steuerzentrale im Gehirn, und es reagiert empfindlich auf Östrogen. Wenn der Hormonspiegel schwankt, wird dieses Zentrum unruhiger und regelt schneller in beide Richtungen. Bekannt ist die überschiessende Hitze. Weniger bekannt ist, dass der Körper nach einer solchen Welle oft überschiessend herunterkühlt, sodass auf die Hitze ein Frösteln folgt.

Manche Frauen erleben auch ohne vorherige Hitze ein anhaltendes Kältegefühl, kalte Hände und Füsse, ein Frieren, das nicht zur Raumtemperatur passt. Das hängt damit zusammen, dass Östrogen die Weite der kleinen Gefässe mitbestimmt und damit, wie gut Wärme in die Randgebiete des Körpers gelangt. Das ist unangenehm, in aller Regel aber harmlos. Was hilft, sind warme Schichten zum An- und Ausziehen, warme Füsse als kleine tägliche Sorgfalt und Bewegung, die den Kreislauf in Schwung bringt.

Sodbrennen und eine trägere Verdauung

Sodbrennen bringen die wenigsten mit den Wechseljahren in Verbindung und trotzdem gehört es zu den häufigen leisen Begleitern. Der Grund liegt in der Wirkung der Hormone auf die Muskulatur des Verdauungstrakts. Zwischen Speiseröhre und Magen liegt ein ringförmiger Schliessmuskel, der normalerweise dafür sorgt, dass die Magensäure unten bleibt. Sinkendes Östrogen und vor allem sinkendes Progesteron verändern die Spannung dieser Muskeln. Schliesst der Ring weniger fest, steigt Säure leichter auf und es brennt hinter dem Brustbein.

Dazu kommt, dass die gesamte Verdauung in dieser Phase langsamer arbeitet. Die Nahrung bleibt länger im Magen, der Druck nach oben steigt und das begünstigt das Aufsteigen der Säure zusätzlich. Im Alltag helfen kleinere Mahlzeiten statt weniger grosser, ein früheres und leichteres Abendessen und die einfache Gewohnheit, nach dem Essen nicht sofort hinzulegen. Wiederkehrendes oder starkes Sodbrennen gehört ärztlich eingeordnet, weil sich dahinter auch anderes verbergen kann und die Speiseröhre auf Dauer Schutz braucht.

Völlegefühl und Blähungen

Viele Frauen beschreiben ein neues Schweregefühl im Bauch, ein Völlegefühl schon nach kleinen Mengen, dazu Blähungen und einen Bauch, der sich im Lauf des Tages aufbläht. Auch das hat mit der Verlangsamung der Verdauung zu tun. Die Darmbewegung, die den Nahrungsbrei weitertransportiert, wird träger, wenn die Hormone sinken. Bleibt der Inhalt länger liegen, entstehen mehr Gase und der Bauch fühlt sich voll und gespannt an.

Es gibt hier noch eine zweite Ebene, die ich in meiner Arbeit besonders wichtig finde. Der Darm ist über das vegetative Nervensystem eng mit deinem inneren Zustand verbunden, man spricht nicht umsonst vom Bauchgefühl. Ist das Nervensystem angespannt, arbeitet auch der Darm angespannter. Deshalb helfen bei Völlegefühl nicht nur regelmässige Mahlzeiten, genug Wasser und Bewegung, sondern ebenso echte Momente der Ruhe. Ein Bauch, der zur Ruhe kommen darf, verdaut leichter.

«Dein Körper ist nicht an zehn Stellen gleichzeitig kaputt. Er stellt sich um und spricht dabei in vielen kleinen Zeichen zu dir.»
Maila Marchetta

Kurzatmigkeit und ein Engegefühl in der Brust

Das Gefühl, nicht ganz tief durchatmen zu können, oder eine leichte Enge in der Brust verunsichert viele Frauen sehr und das zu Recht, weil hier eine klare Grenze verläuft. Ich komme gleich darauf. Wenn ernste Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind, hängt dieses Gefühl oft mit einem überreizten Nervensystem und einer flachen Atmung zusammen. Bei innerer Anspannung atmen wir hoch in der Brust und knapp, statt tief in den Bauch. Diese knappe Atmung erzeugt selbst das Gefühl von Luftnot, obwohl genug Sauerstoff da ist.

So entsteht ein Kreis: Die Enge macht Angst, die Angst lässt die Atmung noch flacher werden und die Enge wächst. Was diesen Kreis unterbricht, ist eine bewusste, ruhige und langsame Ausatmung. Wenn du länger ausatmest als einatmest, gibst du deinem Körper das Signal, dass keine Gefahr da ist und die Atmung darf wieder tiefer wandern. Genau mit diesem Zusammenspiel von Atem und Nervensystem arbeite ich, wenn die medizinische Seite geklärt ist. Ein verwandtes Thema behandle ich ausführlicher im Beitrag über Herzrasen in den Wechseljahren.

Die leiseren Zeichen: Mundtrockenheit, Zungenbrennen, veränderter Körpergeruch

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Zeichen, die so leise sind, dass man sie kaum ausspricht. Sie hängen fast alle an den Schleimhäuten und an der Haut, die stark auf Östrogen angewiesen sind. Sinkt das Hormon, werden diese Gewebe trockener und empfindlicher.

Diese Zeichen sind selten gefährlich, sie irritieren aber, weil sie so unerwartet kommen. Viel trinken, gute Mund- und Hautpflege und etwas Geduld mit deinem Körper lindern diese Beschwerden spürbar. Es beruhigt zu wissen, woher sie kommen.

Der gemeinsame Faden hinter all dem

Wenn du genau hinschaust, laufen fast alle diese Beschwerden an denselben drei Stellen zusammen. Es lohnt sich, das einmal ruhig zu ordnen, weil es das ganze Bild verständlicher macht.

Da ist erstens die hormonelle Umstellung selbst. Östrogen und Progesteron sinken nicht gleichmässig, sie schwanken und dieses Auf und Ab bringt viele fein abgestimmte Systeme durcheinander. Da ist zweitens die Wirkung auf Schleimhäute und Verdauung. Die Hormone halten Gewebe feucht und Muskeln in der richtigen Spannung, beides verändert sich und daraus entstehen Trockenheit, Sodbrennen, Völlegefühl. Da ist drittens das vegetative Nervensystem, das Temperatur, Kreislauf, Atmung und Verdauung im Hintergrund steuert. In dieser Lebensphase ist es bei vielen Frauen ohnehin stärker gereizt und reagiert deshalb empfindlicher.

Diese drei Ebenen greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Das klingt zunächst nach viel, ist aber eine gute Nachricht. Du musst nicht jedes Symptom einzeln bekämpfen. Wenn du an der gemeinsamen Wurzel ansetzt und vor allem dein Nervensystem entlastest, beruhigen sich oft mehrere Zeichen zugleich.

Was im Alltag hilft

Es gibt kein einzelnes Mittel gegen diese bunte Sammlung an Beschwerden, doch es gibt eine Handvoll ruhiger, verlässlicher Gewohnheiten, die an mehreren Stellen zugleich wirken:

Das Schöne an diesen Gewohnheiten ist, dass keine von ihnen dich abhängig macht. Du lernst, die Signale deines Körpers früher zu lesen und im richtigen Moment gut mit dir umzugehen. Genau das ist mein Anliegen, dass du dich in deinem eigenen Körper wieder zu Hause fühlst und selbstbestimmt durch diese Zeit gehst.

Mein Ansatz

In meiner Begleitung geht es selten darum, ein einzelnes Symptom wegzumachen. Es geht darum, das System zu beruhigen, aus dem so viele dieser Zeichen entstehen. Im Hormonyoga verbinden wir sanfte Bewegung, bewussten Atem und Erdung, damit dein vegetatives Nervensystem aus der Daueranspannung findet. Ein ruhigeres System reguliert Temperatur, Verdauung und Atmung wieder gelassener und viele der leisen Beschwerden verlieren an Schärfe.

Dazu kommt die Arbeit mit kreativem Ausdruck und Biografie. Was sich in Worten schwer fassen lässt, diese diffuse Verunsicherung über einen Körper, der sich fremd anfühlt, darf über das Gestalten einen Ausdruck finden. Oft löst sich dabei etwas, das der Kopf allein nicht greift. Ich verspreche dir keine Heilung und ich ersetze keine Ärztin. Ich biete dir einen Raum, in dem dein Körper zur Ruhe kommt und du dich in diesem Übergang wieder als Ganze erlebst.

Kleines Glossar

Vegetatives Nervensystem

Das ist der Teil des Nervensystems, der ohne dein bewusstes Zutun arbeitet. Er steuert Herzschlag, Atmung, Verdauung, Temperatur und die Weite der Gefässe. Er hat einen anregenden Anteil, der uns in Aktion bringt, und einen beruhigenden Anteil, der für Erholung und Verdauung sorgt. In den Wechseljahren ist dieses System bei vielen Frauen leichter aus dem Gleichgewicht und darum reagieren Temperatur, Kreislauf und Verdauung empfindlicher.

Östrogen und die Schleimhäute

Östrogen sorgt dafür, dass Schleimhäute feucht, gut durchblutet und geschmeidig bleiben, im Mund, in der Speiseröhre, im Verdauungstrakt und Intimbereich. Sinkt der Östrogenspiegel, werden diese Gewebe trockener und empfindlicher. Daraus erklären sich Zeichen wie Mundtrockenheit, Zungenbrennen oder eine gereiztere Verdauung, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.

Wann du ärztlich abklären lässt

Bei aller Entlastung gehört die ehrliche Grenze dazu. Ich bin Begleiterin, keine Ärztin und meine Arbeit ersetzt keine medizinische Diagnose. Manche der hier beschriebenen Zeichen dürfen niemals einfach den Wechseljahren zugeschrieben werden, weil sich dahinter etwas Ernstes verbergen kann.

Bitte ärztlich abklären:

Kurzatmigkeit, Atemnot und ein Engegefühl in der Brust gehören immer zuerst ärztlich untersucht, besonders wenn sie plötzlich auftreten, mit Brustschmerz, Herzstolpern, Schwindel, Schweissausbruch oder Schmerzen in Arm, Hals oder Kiefer einhergehen. In einem solchen Fall zögere nicht und hole sofort Hilfe oder ruf den Notfall. Das kann nichts Harmloses sein und muss dringend geprüft werden. Auch wiederkehrendes oder starkes Sodbrennen, unklare Bauchbeschwerden, anhaltendes Zungenbrennen und ein deutlich verändertes Kälte- oder Temperaturempfinden gehören einmal ärztlich eingeordnet, weil sich einiges davon einfach untersuchen und gut behandeln lässt, etwa Schilddrüse, Eisen, Magen und Herz. Meine Arbeit beginnt dort, wo das Ernste ausgeschlossen ist.

Die leisen Zeichen der Wechseljahre sind unangenehm und sie verunsichern gerade deshalb, weil kaum jemand über sie spricht. In aller Regel sind sie ein Ausdruck davon, dass dein Körper sich umstellt und Schwankungen schlechter abfängt als früher. Sie lassen nach, wenn du ihnen mit Ruhe, guter Ernährung, Bewegung, Atem und Nachsicht begegnest. Wenn du dich tiefer in die grössere Landkarte dieser Zeit einlesen magst, findest du einen Überblick im Beitrag über die Symptome der Wechseljahre und über ein oft übersehenes körperliches Zeichen im Text zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren.

Maila Marchetta, Hormonyoga-Lehrerin und Kunsttherapeutin in Bern

Über die AutorinMaila Marchetta

Hormonyoga-Lehrerin, anthroposophische Kunsttherapeutin und Biographiebegleiterin in Bern und online. Sie begleitet Frauen durch die Wechseljahre mit Körperarbeit, kreativem Ausdruck und Biographiearbeit. Mehr über Maila →

Häufige Fragen zu den leisen Symptomen

Ja, das ist häufiger, als viele denken. Sinkendes Östrogen und Progesteron verändern die Spannung der Muskeln im Verdauungstrakt, auch die des Schliessmuskels zwischen Speiseröhre und Magen. Wenn dieser weniger fest schliesst, steigt Magensäure leichter auf und es brennt hinter dem Brustbein. Wiederkehrendes oder starkes Sodbrennen gehört trotzdem ärztlich eingeordnet.

Die Wechseljahre bringen nicht nur Hitze, sie bringen ein durcheinandergeratenes Temperaturempfinden. Das Wärmezentrum im Gehirn reagiert bei schwankendem Östrogen empfindlicher und regelt schneller in beide Richtungen. Nach einer Hitzewelle kann der Körper überschiessend herunterkühlen, sodass du frierst. Auch anhaltendes Kältegefühl an Händen und Füssen kommt vor und ist meistens harmlos.

Die Hormonumstellung verlangsamt die Verdauung und die Darmbewegung wird träger. Nahrung bleibt länger im Bauch, das erzeugt Völlegefühl, Druck und mehr Gase. Dazu reagiert der Darm stärker auf Anspannung, weil er eng mit dem Nervensystem verbunden ist. Regelmässige Mahlzeiten, Bewegung und Ruhe helfen oft spürbar.

Ein leichtes Engegefühl in der Brust und das Gefühl, nicht ganz durchatmen zu können, hängen oft mit einem überreizten Nervensystem und flacher Atmung zusammen. Trotzdem gilt hier eine klare Grenze: Atemnot, Kurzatmigkeit und Herzsymptome gehören immer zuerst ärztlich abgeklärt und dürfen nicht einfach den Wechseljahren zugeschrieben werden.

Ja. Östrogen hält die Schleimhäute feucht und geschmeidig. Sinkt es, werden Mund und Zunge trockener, manche Frauen spüren ein Brennen auf der Zunge. Auch der Körpergeruch kann sich verändern, weil Schweissdrüsen und Hautmilieu anders arbeiten. Das ist unangenehm, aber in aller Regel harmlos.

Weil im öffentlichen Bild fast nur Hitzewallungen und ausbleibende Blutungen vorkommen. Frieren, Sodbrennen oder Zungenbrennen passen nicht in dieses Bild, deshalb suchst du die Ursache woanders. Zu wissen, dass diese Zeichen zur hormonellen Umstellung gehören können, nimmt schon viel Verunsicherung.

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