Herzrasen in den Wechseljahren: wenn das Herz stolpert

Aquarell: stille Wasseroberfläche mit auslaufenden Kreisen

Du liegst abends im Bett, alles ist still. Plötzlich schlägt dein Herz, als wolltest du rennen. Es rast, es stolpert, es setzt kurz aus und schlägt dann doppelt. Kein Grund, keine Anstrengung, nur du und dieses pochende Gefühl im Hals. Im selben Moment kippt etwas in dir: Was stimmt nicht mit meinem Herzen? Genau dieser Schreck ist es, der das Rasen oft noch verstärkt.

Ich möchte dich zuerst ein Stück beruhigen und dich im selben Atemzug ernst nehmen. Herzrasen und Herzstolpern gehören zu den häufigen Begleitern der Wechseljahre und sie sind in den allermeisten Fällen hormonell bedingt und harmlos. Gleichzeitig ist das Herz ein sensibles Organ und verdient es, dass jedes neue Stolpern einmal ärztlich angeschaut wird. Beides ist wahr und beides hat hier Platz.

Warum das Herz jetzt empfindlicher reagiert

In den Wechseljahren schwankt der Östrogenspiegel stark und sinkt über die Jahre langsam ab. Östrogen wirkt weit über den Zyklus hinaus, es hat Einfluss auf das vegetative Nervensystem und auf die Gefässe. Dieses vegetative Nervensystem steuert deinen Herzschlag, ganz ohne dein Zutun. Es hält die feine Balance zwischen Anspannung und Entspannung. Wenn die Hormone Achterbahn fahren, gerät auch diese Balance ins Wanken. Dein Herz reagiert dann empfindlicher auf jeden kleinen Reiz.

Deshalb spürst du das Herzstolpern oft dann, wenn eigentlich Ruhe wäre, am Abend, in der Nacht, in Momenten ohne Ablenkung. Häufig ist es an eine Hitzewallung gekoppelt, das Herz beschleunigt, die Hitze steigt auf, der Körper kommt kurz in Aufruhr. Palpitationen ist das Fachwort für dieses bewusste Spüren des eigenen Herzschlags, ob als Rasen, als Klopfen oder als einzelner Stolperer. Es beschreibt eine Wahrnehmung, noch keine Krankheit.

Warum es gerade in der Ruhe auftaucht

Viele Frauen wundern sich, dass ausgerechnet die stillen Momente das Herz aus dem Takt bringen. Tagsüber, im vollen Tun, geht das leichte Pochen im Hintergrund unter, weil so vieles gleichzeitig deine Aufmerksamkeit füllt. Am Abend fällt diese äussere Ablenkung weg, der Körper wird ruhiger und dein Gespür für das Innere schärft sich. Was tagsüber unbemerkt geschieht, tritt nun deutlich hervor. Das kann sich anfühlen, als würde es plötzlich schlimmer, obwohl du es einfach nur klarer wahrnimmst.

Dazu kommt, dass der Körper in der Nacht ohnehin durch hormonelle Wellen geht. Sinkt in bestimmten Phasen der Östrogenspiegel, kann das Herz mit einem kurzen Beschleunigen antworten, manchmal begleitet von Schweiss oder einem Wachwerden aus dem Schlaf. Wenn du das einordnen kannst, verliert die Nacht einen Teil ihres Schreckens. Du weisst dann, dass dein Körper einer bekannten inneren Bewegung folgt. So musst du nicht jedes Mal das Schlimmste befürchten.

Zur Einordnung: Hormonell bedingtes Herzstolpern ist in den Wechseljahren häufig und meist gutartig. Das entbindet dich nicht von der einen wichtigen Abklärung, es soll dir aber die Grundangst nehmen. Ein empfindlicheres Herz ist in dieser Lebensphase eine nachvollziehbare Reaktion auf die hormonelle Umstellung, kein Zeichen, dass etwas mit dir grundlegend nicht in Ordnung wäre.

Die Spirale aus Schreck und Herzrasen

Das Herz ist für uns anders besetzt als jedes andere Organ. Es ist der Sitz des Lebens. Wenn es plötzlich aus dem Takt gerät, meldet sich sofort die Urangst. Diese Angst ist der Punkt, an dem sich vieles entscheidet. Dein Körper deutet das rasende Herz als Gefahr und schüttet Stresshormone aus, die den Puls noch weiter hochtreiben. So entsteht eine Schleife: Herzstolpern erzeugt Schreck, Schreck erzeugt mehr Herzstolpern, du drehst dich in einer Spirale nach oben.

Wer diese Schleife einmal verstanden hat, gewinnt einen ersten Handgriff zurück. Der eigentliche Feind ist die Panik, die sich auf das Herzstolpern setzt, das Rasen allein wäre oft halb so schlimm. In dem Moment, in dem du deinem Nervensystem signalisierst, dass keine echte Gefahr besteht, nimmst du der Spirale ihren Treibstoff. Genau darin liegt eine kleine, stille Macht, die dir niemand nehmen kann, denn du bleibst dem Geschehen im eigenen Körper nicht länger ausgeliefert. Genau hier liegt meine eigentliche Stärke, in der Arbeit mit dem Atem und dem Nervensystem, dort, wo Körper und innere Ruhe sich berühren. Wie eng das mit der allgemeinen Anspannung zusammenhängt, vertiefe ich im Beitrag über die innere Unruhe in den Wechseljahren.

Der Atem als direkter Draht zum Herzen

Es gibt einen Nerv in dir, der Herz und Ruhe direkt verbindet, den Vagusnerv. Er ist der grosse Gegenspieler zur Stressreaktion und lässt sich über den Atem erreichen wie über kaum einen anderen Weg. Wenn du langsam und vor allem lang ausatmest, sendest du über diesen Nerv ein Signal an dein Herz, das schlicht heisst: Du darfst langsamer werden. Die verlängerte Ausatmung aktiviert den beruhigenden Teil deines Nervensystems und der Puls folgt nach.

Das Schöne daran ist die Einfachheit. Du trägst dieses Werkzeug immer bei dir, es kostet nichts und du kannst es genau in dem Moment einsetzen, in dem das Herz stolpert. Hier ein paar konkrete Impulse für die Situation selbst:

Kein einzelner dieser Impulse ist ein Wundermittel, keiner ersetzt eine ärztliche Abklärung. Zusammen aber holen sie dich aus der Spirale heraus und geben dir die Erfahrung, dass du dem Herzstolpern nicht hilflos ausgeliefert bist. Diese Erfahrung wirkt oft stärker als die Übung selbst.

«Dein Herz stolpert nicht gegen dich. Es reagiert auf einen grossen Wandel. Über den Atem kannst du ihm zeigen, dass es sicher ist.»
Maila Marchetta

Hormonyoga als Pflege für das Nervensystem

Der Atem im Akutmoment ist die eine Ebene. Die andere ist die regelmässige Pflege, damit dein Nervensystem grundsätzlich weniger schnell in Alarm gerät. Ein Nervensystem, das über den Tag hinweg immer wieder herunterfahren darf, reagiert insgesamt gelassener, auch nachts, auch auf hormonelle Schwankungen. Genau dafür ist Hormonyoga gedacht, als sanfte, wiederkehrende Übung, die Bewegung, Atem und Beruhigung verbindet.

Hormonyoga arbeitet mit dem Körper und mit dem Zyklusgeschehen und beruhigt zugleich das vegetative Nervensystem, das dein Herz mitsteuert. Es geht dabei um ein achtsames Nachhausekommen im eigenen Körper, ganz ohne Leistungsdruck oder akrobatische Verrenkung. Mit der Zeit lernst du, die feinen Signale früher zu lesen, das leichte Ziehen vor einer Welle, die aufkommende Unruhe, den Moment, in dem der Atem flacher wird. Dieses frühe Erkennen ist Gold wert, denn je eher du bemerkst, dass sich etwas zusammenzieht, desto sanfter kannst du gegensteuern, bevor die Spirale überhaupt Fahrt aufnimmt.

Es lohnt sich, das Ganze als Beziehung zum eigenen Körper zu verstehen, nicht als Notfallprogramm für den einen schlimmen Abend. Ein Herz, das über Wochen und Monate immer wieder die Erfahrung von Ruhe macht, gewinnt langsam sein Vertrauen zurück. Du übst nicht gegen dein Herz, du übst mit ihm. Diese geduldige, wiederkehrende Zuwendung verändert oft mehr als jeder einzelne Trick im akuten Moment. Wenn du wissen möchtest, was dahintersteckt, habe ich es im Beitrag Was ist Hormonyoga ausführlich beschrieben. Weil schlechter Schlaf und ein überreiztes Herz einander verstärken, lohnt oft auch ein Blick auf die Schlafstörungen in den Wechseljahren, denn ein ausgeruhtes Nervensystem gerät weniger leicht in Aufruhr.

Wann du das Herz ärztlich abklären lassen musst

Jetzt kommt der Teil, den ich dir mit aller Klarheit mitgeben möchte, denn beim Herzen gilt Vorsicht vor Beschwichtigung. Ich bin Begleiterin, keine Ärztin. Meine Arbeit mit Atem und Nervensystem ersetzt keine medizinische Abklärung. Sie ist eine wunderbare Ergänzung, sobald das Herz einmal in kompetenten Händen war.

Bei diesen Zeichen sofort ärztliche Hilfe oder den Notruf:

Wenn das Herzrasen zusammen mit Brustschmerz oder einem Druckgefühl in der Brust auftritt, mit Atemnot, mit Ohnmacht oder starkem Schwächegefühl, oder wenn eine Episode sehr lange dauert, sehr schnell ist oder deutlich unregelmässig schlägt, dann warte nicht, hol sofort ärztliche Hilfe oder ruf den Notfall. Ganz grundsätzlich gehört jedes neue Herzstolpern einmal kardiologisch abgeklärt, mit einem einfachen EKG lässt sich rasch prüfen, ob dein Herz gesund ist. Erst wenn diese Abklärung Entwarnung gibt, weisst du sicher, dass du es mit den harmlosen, hormonell bedingten Palpitationen zu tun hast. Diese Sicherheit ist es wert. Sie nimmt zugleich der Angst den Boden, denn ein Kopf, der weiss, dass das Herz gesund ist, gerät beim nächsten Stolpern viel weniger schnell in Panik. Die medizinische Abklärung und die ruhige Körperarbeit greifen so ineinander, das eine gibt die Gewissheit, das andere die tägliche Gelassenheit.

Herzrasen in den Wechseljahren erschreckt, doch es ist in aller Regel kein Verhängnis. Es ist ein empfindlicher gewordenes Herz, das auf einen grossen körperlichen Wandel antwortet. Sobald es einmal ärztlich angeschaut ist, darfst du dem Stolpern mit mehr Gelassenheit begegnen, deinen Atem als Anker nutzen und dein Nervensystem geduldig pflegen. Dein Herz ist nicht dein Gegner in dieser Zeit, es ist lediglich ein sensibler Begleiter, der Ruhe braucht. Diese Ruhe kannst du ihm Stück für Stück zurückgeben.

Häufige Fragen zu Herzrasen

Die Östrogenschwankungen wirken auf das vegetative Nervensystem und die Gefässe. Das Herz reagiert empfindlicher. Viele Frauen spüren Herzstolpern oder Herzrasen in Ruhe, nachts oder zusammen mit einer Hitzewallung. Das erschreckt, ist aber häufig und meist harmlos.

Hormonell bedingtes Herzstolpern ist verbreitet und in der Regel harmlos. Trotzdem gilt eine klare Regel: Jedes neue Herzrasen sollte einmal ärztlich abgeklärt werden, damit andere Ursachen sicher ausgeschlossen sind. Danach kannst du ruhiger damit umgehen.

Der Atem ist dein direkter Draht zum Herzen. Atme langsam ein und deutlich länger wieder aus, etwa vier ein und sechs bis acht aus. Die lange Ausatmung aktiviert den beruhigenden Teil deines Nervensystems und der Puls kommt oft zur Ruhe. Spüre dabei deine Füsse am Boden.

Ja, weil es genau dort ansetzt, wo hormonell bedingtes Herzstolpern entsteht: am Nervensystem. Über Atem und ruhige Bewegung stärkt Hormonyoga den beruhigenden Vagusnerv. Als regelmässige Praxis kann es Herzrasen mit der Zeit seltener und weniger heftig machen.

Sofort oder als Notfall, wenn das Herzrasen mit Brustschmerz oder Druck, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht einhergeht, oder wenn es sehr lange, sehr schnell oder unregelmässig ist. Jedes neue Herzstolpern gehört einmal kardiologisch abgeklärt.

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