Scheidentrockenheit in den Wechseljahren: sanft und ehrlich

Aquarell: zartes Blütenblatt mit einem Tautropfen

Es ist eines dieser Themen, über die kaum eine Frau spricht, obwohl so viele es kennen. Ein Ziehen, ein Brennen, ein Gefühl von Enge, wo früher alles selbstverständlich war. Nähe, die plötzlich unangenehm wird. Mitten hinein die leise, oft unausgesprochene Frage: Stimmt mit mir etwas nicht?

Ich möchte diese Frage gleich am Anfang auflösen. Mit dir stimmt alles. Scheidentrockenheit in den Wechseljahren ist keine Störung deiner Weiblichkeit und kein Zeichen, dass du «zu früh alt» wirst. Sie ist eine körperliche Veränderung, die sehr viele Frauen erleben und über die trotzdem fast niemand redet. Genau dieses Schweigen macht es oft schwerer als das Symptom selbst.

Warum es überhaupt passiert

Die Schleimhaut im Intimbereich lebt vom Östrogen. Solange genug davon da ist, bleibt das Gewebe dick, elastisch und gut durchblutet und die natürliche Feuchtigkeit reguliert sich von selbst. In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und schwankt stark. Die Schleimhäute werden dünner, weniger durchblutet und produzieren weniger Feuchtigkeit. Das Gewebe verliert an Spannkraft und reagiert empfindlicher auf Reibung und Reizung.

Das ist ein völlig natürlicher biologischer Vorgang, ganz ähnlich wie die Haut im Gesicht in dieser Lebensphase trockener und feiner wird. Der Körper reagiert überall dort, wo Östrogen mitgewirkt hat und der Intimbereich gehört einfach dazu. Es hat nichts damit zu tun, wie begehrenswert du bist oder wie viel Nähe du früher gelebt hast.

Zur Einordnung: Schätzungen zufolge erlebt etwa jede zweite Frau in und nach den Wechseljahren Scheidentrockenheit. Nur ein kleiner Teil spricht darüber, mit der Ärztin, mit der Partnerin oder dem Partner, mit einer Freundin. Das liegt an der grossen Scham, mit der das Thema belegt wird, nicht an der Seltenheit.

Wie selten darüber gesprochen wird

Über Hitzewallungen wird gelacht, über schlechten Schlaf geklagt, über Stimmungsschwankungen zumindest gesprochen. Die Trockenheit im Intimbereich aber bleibt im Verborgenen. Sie berührt einen Bereich, der bei vielen Frauen ohnehin mit Unsicherheit und alten Prägungen verbunden ist. Dazu kommt die Angst, als Frau nicht mehr «zu funktionieren» oder die Partnerschaft zu enttäuschen.

So tragen viele es still mit sich. Sie weichen Nähe aus, erfinden Ausreden, ziehen sich zurück. Die Partnerin oder der Partner deutet den Rückzug manchmal als Desinteresse und schon entsteht ein Abstand, der eigentlich gar nicht gewollt ist. Was fehlt, ist meistens nur eines: ein ehrliches Wort darüber, was gerade im Körper geschieht.

Was es mit dem Wohlbefinden macht

Scheidentrockenheit ist selten nur ein Thema beim Sex. Sie kann im Alltag spürbar sein, beim Sitzen, beim Sport, beim Gehen, manchmal als leichtes Brennen beim Wasserlassen. Der Körper meldet sich an einer sehr verletzlichen Stelle und das nagt oft am Grundgefühl. Manche Frauen beschreiben, dass sie sich in ihrem eigenen Körper plötzlich fremd fühlen.

Genau hier setzt der Teil an, der mir am Herzen liegt. Der körperliche Vorgang ist das eine und dafür gibt es gute medizinische Wege. Das andere ist deine Beziehung zu deinem Körper, dein Selbstwert, deine Intimität und die Frage, wie viel Raum die Scham bekommt. Diesen Teil kann keine Creme lösen und genau dort begleite ich dich.

«Dein Körper verändert sich, er verrät dich nicht. Er bittet dich nur, ihn neu kennenzulernen, mit Geduld statt mit Härte.»
Maila Marchetta

Du bist nicht «kaputt» und nicht «zu jung dafür»

Zwei Sätze höre ich in diesem Zusammenhang immer wieder. «Ich bin doch noch zu jung dafür» und «Mit mir stimmt etwas nicht». Beide sind verständlich und beide führen in die Irre. Veränderungen der Schleimhaut beginnen oft schon in der Perimenopause, also Jahre bevor die letzte Blutung kommt. Du bist damit nicht zu früh dran, du bist mitten in einem Prozess, den dein Körper von selbst durchläuft.

«Kaputt» ist ein Wort, das hier nichts zu suchen hat. Dein Körper tut genau das, was er in dieser Lebensphase tun soll. Er verändert sich, wie er sich in der Pubertät verändert hat und wie er sich vielleicht in einer Schwangerschaft verändert hat. Diese Phase darf denselben würdevollen Blick bekommen, den wir anderen Übergängen längst zugestehen.

Was ganzheitlich hilft

Ich bin keine Ärztin und ich verschreibe nichts. Was ich anbiete, ist der ganzheitliche Blick auf das, was zwischen deinem Körper, deinem Nervensystem und deinem Selbstbild geschieht. Dieser Blick lässt sich mit jeder medizinischen Behandlung gut verbinden und ersetzt sie nicht. Ein paar Ebenen, die erfahrungsgemäss viel bewegen:

In der Kunsttherapie und in der Körperarbeit geht es oft um genau das, was sich schwer sagen lässt. Scham, Trauer über eine Veränderung, die Sehnsucht nach Lebendigkeit. Was Ausdruck findet, verliert einen Teil seiner Schwere. Viele Frauen finden über diesen Weg zurück zu einem Körpergefühl, das von Annahme getragen wird statt von Angst.

Wie du das Schweigen behutsam brichst

Der schwerste Schritt ist oft der erste Satz. Es braucht keine grosse Ansprache, um das Thema aus dem Verborgenen zu holen. Es reicht ein ehrlicher, ruhiger Anfang, in dem du benennst, was gerade in deinem Körper geschieht, ohne dich dafür zu entschuldigen. Wer versteht, dass die Trockenheit eine hormonelle Veränderung ist und keine Zurückweisung, kann viel gelassener damit umgehen. Genau dieses Verstehen entsteht erst, wenn jemand es ausspricht.

Für die Partnerin oder den Partner ist es meistens eine Erleichterung, endlich zu wissen, was los ist. Der Rückzug, der vorher wie Desinteresse aussah, bekommt plötzlich einen Namen und verliert seine bedrohliche Deutung. Nähe muss dabei nicht am selben Punkt hängen bleiben wie früher. Sie darf sich weiten, langsamer werden, neue Formen finden. Manche Paare erleben in dieser Phase sogar eine tiefere Verbindung als zuvor, weil sie zum ersten Mal wirklich ehrlich miteinander werden.

Die Beziehung zum eigenen Körper

Unter der Trockenheit liegt bei vielen Frauen eine ältere Geschichte. Ein Körper, der lange funktionieren musste, der bewertet und mit anderen verglichen wurde, der selten einfach nur gespürt und geachtet werden durfte. Die Wechseljahre bringen diese Geschichte an die Oberfläche und laden dazu ein, sie neu zu schreiben. Weg von der Frage, ob dein Körper noch genügt, hin zu der Frage, was er gerade braucht.

Dein Körper hat dich durch alles getragen, was dein Leben bisher ausgemacht hat. Er verdient in dieser Phase Zuwendung, keine Härte. Wenn du lernst, ihn wieder freundlich zu berühren, ihn zu spüren und seinen Signalen mit Neugier statt mit Kritik zu begegnen, verändert sich etwas Grundlegendes. Die Trockenheit bleibt vielleicht eine Zeit lang ein Thema, doch sie regiert nicht mehr dein Verhältnis zu dir selbst.

Der ehrliche Verweis auf die medizinische Seite

Es gehört zur Aufrichtigkeit dazu, das klar zu sagen: Gegen Scheidentrockenheit gibt es sehr wirksame, gut erforschte ärztliche und gynäkologische Möglichkeiten. Lokale Behandlungen können die Schleimhaut nachweislich unterstützen und viele Frauen erleben rasch eine deutliche Erleichterung. Das ist normal, es ist verbreitet und es ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Sprich es bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt offen an, so wie du auch über Schlaf oder Hitzewallungen sprechen würdest.

Mein Beitrag liegt daneben, nicht darüber und nicht darunter. Während die medizinische Seite den Körper unterstützt, begleite ich dich dabei, die Scham zu lösen, deinen Selbstwert zu stärken und deine Intimität wieder als etwas Lebendiges zu erleben. Zusammen ergibt das ein rundes Bild, in dem du dich weder allein noch verkehrt fühlst.

Was wieder möglich wird

Wenn die Scham weniger wird und der Körper Unterstützung bekommt, verändert sich meistens mehr als nur ein Symptom. Frauen berichten, dass sie sich wieder mehr zu Hause fühlen in sich selbst, dass Nähe wieder leichter wird und dass sie sich trauen, über Dinge zu reden, die vorher tabu waren. Diese neue Offenheit strahlt oft weit über das Intime hinaus, in die Partnerschaft, in die Freundschaft, in das Verhältnis zu sich selbst.

Wann du es ärztlich abklären lassen solltest:

Wenn du Schmerzen oder anhaltendes Brennen hast, wenn Blutungen auftreten, die nicht zum gewohnten Zyklus gehören, oder wenn Beschwerden über längere Zeit bleiben und dich belasten, gehört das gynäkologisch abgeklärt. Auch wiederkehrende Reizungen oder das Gefühl einer Entzündung sind ein guter Grund, Termin zu machen. Das ist kein Zeichen von Schwäche und schon gar kein Grund zur Scham. Es ist Fürsorge dir selbst gegenüber. Ich bin Begleiterin, keine Ärztin und meine Arbeit ersetzt keine Diagnose. Sie schafft den Raum, in dem du dich mit deinem Körper wieder versöhnen kannst.

Scheidentrockenheit in den Wechseljahren ist häufig, sie ist behandelbar und sie sagt nichts Schlechtes über dich aus. Wenn du beides zusammenbringst, die gute medizinische Unterstützung und einen liebevollen, ehrlichen Blick auf dich selbst, dann verliert dieses Thema seinen Schrecken. Du darfst dich in dieser Phase genauso würdevoll behandeln, wie du eine gute Freundin behandeln würdest. Diese Wandlung berührt am Ende nicht nur deinen Körper, sie reicht bis in deine ganze Beziehung zu dir. Wie sich das mit dem Blick auf Körper und Selbstwert und mit der Biografiearbeit in der Lebensmitte verbindet, magst du vielleicht als Nächstes lesen.

Häufige Fragen zu Scheidentrockenheit

Mit sinkendem Östrogen werden die Schleimhäute im Intimbereich dünner, weniger elastisch und schlechter durchblutet. Das kann zu Trockenheit, Brennen oder einem unangenehmen Gefühl beim Sex führen. Es ist eine körperliche, hormonelle Veränderung und hat nichts mit mangelnder Lust oder mit dir als Frau zu tun.

Ja, sie ist sehr häufig und betrifft viele Frauen, auch wenn kaum jemand darüber spricht. Gerade dieses Schweigen macht es schwer. Du bist damit nicht allein und du bist auch nicht «zu jung dafür». Es ist ein normaler Teil der hormonellen Umstellung.

Es gibt gute und wirksame Möglichkeiten, von befeuchtenden Mitteln bis zu lokalen ärztlichen Behandlungen. Sprich das offen bei deiner Gynäkologin an, das lohnt sich sehr. Ganzheitlich helfen zusätzlich ein entspanntes Nervensystem, Achtsamkeit für den Beckenboden und eine liebevolle Beziehung zum eigenen Körper.

Ja. Neben ärztlicher Unterstützung tut vieles gut, was den ganzen Körper beruhigt: ausreichend trinken, sanfte Bewegung, Stress senken und dir Zeit für Nähe ohne Druck nehmen. Auch offen mit deiner Partnerin oder deinem Partner zu reden, nimmt viel Anspannung heraus.

Bei anhaltenden Schmerzen, Brennen, Juckreiz oder Blutungen gehört das gynäkologisch abgeklärt. Bitte scheue dich nicht, es ist ein alltägliches Thema in jeder Praxis. Früh angesprochen lässt es sich meist gut und unkompliziert lindern.

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Über Hormonyoga, Körperarbeit und Kunsttherapie begleite ich dich dabei, Scham zu lösen und deine Intimität wieder als etwas Lebendiges zu erleben, in Bern oder online.

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