Bin ich das noch? Körper, Gewicht und Selbstwert

Du stehst vor dem Spiegel und ein Teil von dir zögert. Der Körper, den du dein Leben lang gekannt hast, fühlt sich fremd an. Die Waage zeigt eine andere Zahl, die Kleidung sitzt anders, etwas hat sich verschoben, das du nicht bestellt hast. Die leise Frage dahinter lautet weniger «Wie werde ich das los» als vielmehr «Bin ich das eigentlich noch».

Diese Frage geht tiefer als jede Zahl auf der Waage und genau deshalb möchte ich mit ihr beginnen. Die Veränderung des Körpers in den Wechseljahren ist für viele Frauen nicht nur eine körperliche Sache, sondern ein Einschnitt in das eigene Selbstbild. Der Körper war immer da, vertraut und berechenbar. Plötzlich reagiert er anders und lässt sich nicht mehr so einordnen.

Warum sich der Körper jetzt verändert

Ein grosser Teil der Veränderung ist hormonell und liegt nicht an mangelnder Disziplin. Wenn Östrogen und Progesteron schwanken und sinken, verändert sich, wie der Körper Fett einlagert, häufig verstärkt am Bauch. Zugleich sinkt der Grundumsatz, die Muskelmasse nimmt ohne Gegensteuern ab und der Schlaf, der den Stoffwechsel mitreguliert, wird schlechter. Dein Körper macht also nichts falsch. Er folgt einer biologischen Logik, die Millionen Frauen teilen und er ist kein Gegner, den es zu besiegen gilt.

Der Kampf gegen den Körper kostet die meiste Kraft

Viele Frauen reagieren auf die Veränderung mit noch mehr Härte gegen sich selbst. Strengere Diäten, mehr Kontrolle, ein kritischerer Blick in den Spiegel. Das Problem daran ist, dass dieser Kampf selten den Körper verändert, dafür aber die Beziehung zu ihm vergiftet. Wer sich täglich für den eigenen Körper schämt, lebt in Daueranspannung und diese Anspannung schlägt sich in Stimmung, Schlaf und sogar im Stoffwechsel nieder. Der Kampf gegen den Körper ist einer der teuersten Kämpfe, den eine Frau führen kann, denn sie kann ihn nicht gewinnen, weil der Körper nicht der Feind ist.

«Dein Körper hat dich ein Leben lang getragen. Vielleicht ist jetzt die Zeit, ihn nicht länger zu bekämpfen, sondern ihm zuzuhören.»
Maila Marchetta

Was Selbstmitgefühl wirklich verändert

Es gibt Forschung, die zeigt, dass Selbstmitgefühl in den Wechseljahren mehr bewirkt als jede Diät, wenn es um das Wohlbefinden im eigenen Körper geht. Frauen, die freundlich mit sich umgehen, schämen sich weniger für ihre Figur und sorgen sich weniger um die Zahl auf der Waage. Das ist kein Verzicht auf Gesundheit, im Gegenteil. Aus einer freundlichen Haltung heraus fällt es viel leichter, den Körper gut zu behandeln, sich zu bewegen und zu essen, was gut tut, weil die Motivation dann aus Zuwendung kommt und nicht aus Selbstablehnung.

Wie Kunsttherapie die Beziehung zum Körper heilt

Der Blick in den Spiegel ist oft ein sehr harter, bewertender Blick. In der Kunsttherapie öffne ich mit den Frauen, die zu mir kommen, einen anderen Zugang zum Körper, einen, der nicht bewertet, sondern spürt und ausdrückt. Wenn du deinem Körpergefühl eine Farbe, eine Form oder eine Bewegung gibst, statt es sofort zu beurteilen, entsteht Raum für etwas Neues. Du begegnest deinem Körper nicht mehr nur als Objekt, das den Erwartungen genügen soll, sondern als lebendigem Teil von dir, der eine Geschichte trägt. Aus dieser veränderten Begegnung wächst oft eine Versöhnung, die kein Spiegel und keine Waage geben kann. Mehr über diesen Zugang findest du im Beitrag Kunsttherapie in den Wechseljahren.

Bewegung als Freundschaft, nicht als Strafe

Auch Bewegung darf ihren Charakter wechseln. Solange Sport eine Bestrafung für das Essen oder ein Kampf gegen den Körper ist, bleibt er freudlos und hält selten lange. Hormonyoga lädt dich ein, deinen Körper anders zu erleben, sanft, spürend und unterstützend. Es geht nicht darum, Kalorien abzuarbeiten, sondern darum, den Körper zu bewegen und ihm etwas Gutes zu tun. Aus dieser Haltung heraus wird Bewegung wieder zu einer Freundschaft und Freundschaften pflegt man gern und lange.

Eine kleine Übung für den Alltag: Statt den Körper morgens im Spiegel zu prüfen, lege einmal eine Hand auf die Stelle, die du am liebsten weghättest. Danke ihr dann für etwas Konkretes. Für die Beine, die dich tragen, für den Bauch, der Kinder geboren oder Mahlzeiten verdaut hat. Diese eine Geste stellt den Blick langsam von Ablehnung auf Wertschätzung um.

Du bist nicht deine Kleidergrösse und dein Wert hängt nicht an einer Zahl. Der Körper der Lebensmitte ist ein Körper, der viel gelebt und getragen hat und er verdient statt Kampf einen freundlicheren Umgang. Wenn du lernst, ihm mit Milde zu begegnen, findest du nicht nur mehr Frieden mit deinem Spiegelbild, sondern ein Stück von dir selbst zurück. Genau dorthin möchte ich dich begleiten, wertschätzend und auf Augenhöhe.

Zurück in eine gute Beziehung zu deinem Körper.

In der Kunsttherapie und mit sanfter Körperarbeit finden wir zurück zu einem freundlichen Blick auf dich selbst. Ich begleite dich, in Bern oder online.

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